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Old Tudor hasste Hummeln. Warum wusste
niemand, denn die putzigen kleinen Brummer sind doch wundervolle kleine
Tierchen. Sie fliegen fleißig herum, befruchten Blumen und Büsche,
sie haben wunderschöne haarige Beine, die im Flug lustig herumbaumeln und während sie ihr
nützliches Lebenswerk vollbringen, geben sie ein
beruhigendes hummmmmmmmmm von sich.
Was Tudors Feldzug, die Rasse der Hummeln auszurotten, veranlasst
hat, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich geschah es an dem Tag an
dem wir vom Einkaufen nach Hause kamen und einen fremden Hund in
unserem Garten vorfanden. Das seltsame Tier hatte die gleichen
Markierungen wie Tudor - weiße Brust, schwarzer Rücken und Seele, genau
geteilte Nase - hatte aber ein ganz anderes Gesicht. Dies war ganz
bestimmt nicht unser Tudor. Schließlich weiß ja
jeder Hundebesitzer, wie sein Hund aussieht, oder nicht? Wir
näherten uns dem Fremden vorsichtig, denn seine Zähne waren
genau so groß wie Tudors.
"Das muss doch unser Tudor sein."
"Nein, niemals. Der sieht doch ganz anders aus."
"Es muss Tudor sein, sieh dir doch die Markierungen an."
"Sei doch nicht verrückt. Sieh dir das Gesicht an - es ist ein ganz anderer Köter".
Der fremde Hund blickte uns an und sagte auf geheimnisvolle Hundeweise: "Warum werdet ihr
beiden Idioten euch nicht endlich einig?"
Nach einer weiteren heftigen Diskussion entschieden wir uns endlich, das Offensichtliche zu tun und riefen:
"Tudor?!"
Der Fremde sah uns an und wedelte mit dem Schwanz - es war
also doch Tudor - obwohl er so aussah, als hätte er gerade die
erste Gesichtstransplantion in hündischer Geschichte gehabt.
Später kombinierten wir, dass er von einer Wespe oder einer Hummel
- vielleicht sogar von beiden zusammen mit einer Biene - gestochen worden sein musste. Seine
Nase war angeschwollen und das hatte seine Züge total verändert.
Wir suchten nach dem Stich, aber umsonst. Die Schwellung verschwand nach ein
paar Tagen und Tudor schien diese Episode schnell zu vergessen.
Das glaubten wir jedenfalls, doch von jenem Tage an war
Tudor mit einem brennenden Hass für alles was 'hummmmmm' im Flug
machte, gefüllt. Da Hummeln zu dieser Gruppe gehören und sie da
außerdem unglücklicherweise auch die langsamsten Flieger der Hummmbrigade sind, wurden
sie zum Ziel eines gnadenlosen Feldzuges erkürt. Von nun an tötete Tudor alles was flog, aber Mitglieder
des Genus Bombus (welch ein trefflicher Name) wurden seine
bevorzugten Opfer.
Der erste Verdacht kam uns, als wir eines Tages nach Hause
kamen. Der Hund lag in der Nähe des Gartentores, in einem
Halbkreis
von etwa zwanzig bis dreißig toten Hummeln. Zuerst nahmen wir an,
dass ein wandernder Insektensprayer am Werk gewesen war, aber alle
toten Insekten sahen leicht zerquetscht aus. Wir durchsuchten den
Garten und fanden
nirgendwo anders tote Insekten, nur beim Hund wimmelte es nur so von
Leichen.
Tuder entschloss sich, uns die Sache zu
erklären, denn als ein
großes fettes Insekt an uns vorbei hummelte und in Richtung
Fuchsie flog, um sich dort eine gute Mahlzeit zu ergattern, sprang er
auf und schnappte schnell in die Luft, ließ aber sofort los.
Die arme Hummel bruchlandete auf dem Boden und krabbelte wild herum,
auf der Suche nach Hunden die es stechen konnte. Tudor wusste das und
biss nicht wieder zu, sondern zerquetschte das Insekt mit dem Unterteil
seiner schwarz-weißen Nase.
Die Sache wurde so sachverständig erledigt, dass es Wochen
gedauert haben muss, eine solche Maulfähigkeit zu entwickeln. Da wir
nun wussten, worauf wir Ausschau halten mussten, konnten wir ihn bei der
Arbeit beobachten. Jede Hummel, Biene oder Wespe, die in seine Nähe
kam, war binnen weniger Sekunden eine Leiche.
Anscheinend war Tudor nun der Meinung , dass sein
Lebenswerk darin bestand, unseren Garten vor fliegenden Insekten zu
schützen. Die Honigproduktion in der Umgebung kam fast zum
Stillstand und obwohl wir Bienen eigentlich ganz gern hatten, wagten
wir nicht die Sache zu verbieten. Seine Arbeitsweise war so fein
abgestimmt, dass jede Unterbrechung in einem schmerzhaften Revangestich
zur Nase enden konnte.
Soviel
ich weiß, wurde er nie wieder gestochen,
aber meine Geschichte hat doch noch eine warnende Lehre. Tudor schlief
gerne oben auf seiner Hütte, wo ich ihm einen kleinen Balkon
gebaut
hatte. Normalerweise schleppte er sein Lieblingsspielzeug da hinauf,
legte sich in, beobachtete den Garten, brachte ein paar Bienen um,
schlief ein wenig, brachte noch ein paar Bienen um und so weiter. Eine
idyllische Lebensweise - nicht für die Bienen aber doch für
den Hund.
Eines anderen Tages kamen wir wieder
nach Hause und erhielten
keinen aufgeregten Willkommensgruß - der Hund war verschwunden.
Tudor
ging oft auf Alleinspaziergänge durch die Stadt. Da er aber
wusste, dass
ihm dies verboten war, kam er immer ein paar Minuten früher als
wir
nach Hause. Wie alle Bordercollies war er ein vollkommener Schurke und
Lügner. Wir riefen ihn und ich glaubte plötzlich ein
zerquetschtes
kleines Grunzen zu hören - irgendwo aus der Richtung von Tudors
Hütte. Ich ging hinüber, konnte ihn aber nicht finden.
Wiederum rief ich:
"Tudor?"
Das gleiche seltsame Geräusch kam von hinter der
Hütte. Ich beugte mich darüber und da war Tudor: - er war
Hals über Kopf zwischen Hecke und Hütte stecken geblieben und
gab mir einen so verlegenen und altmodischen Blick, dass ich mich
setzen
musste, um mich für einige Minuten auszulachen. Dann reichte ich
hinein, packte ihn bei den Hinterbeinen, die ganz oben waren, und zog
ihn ins Freie. Ihm war nichts weiteres geschehen und er fühlte
sich - da die Welt nun wieder aufrecht war - pudelwohl. Ich nehme an,
dass er
Hummeln gejagt - und dabei die Balance verloren hatte. Er
stürzte vom Balkon in die Hecke und blieb dort stecken -
Köpfchen auf der Erde, Schwänzchen in die Höh. Da er
sich selbst nicht freimachen konnte, waren allerdings all seine
Empfindlichkeiten leicht zugänglich.
Wenn ich eine rachsüchtige Hummel gewesen
wäre und ihn so gesehen hätte, ich weiß genau, wo ICH
ihn gestochen hätte!
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